Wortgirlanden

27.Juni - Die Tage ziehen sich

Die Tage ziehen sich. Die Abende müssen weiterhin ohne Spiel-Vergnügen auskommen. Ich spiele mit meinen Gedanken. Fragen zwängen sich dazwischen. Was wenn das mit dem Corona-Spielverbot noch lange, lange andauert?

Habe ich denn einen Plan B? Jedes Tun hängt bei mir mit Menschen zusammen. Wie kann ich anderen mit Abstand näher kommen? Im Schatten der Pandemie hat sich schon viel verschoben. Da vergisst man leicht die noch viel mehr gebeutelten Regionen auf unserem Kontinent. Der Klimawandel und die stete Abholzung des Regenwaldes bleiben ein Thema, auf das wir schauen müssen. Der Anstieg häuslicher Gewalt, Rassismus und Kindermissbrauch sind grauenvolle Wahrheiten, denen man ins Gesicht schauen muss.

Gedanken von d’r Alb ra oder Wortgirlanden
im Home-Office zusammengesponnen
von Dietlinde Ellsässer

Ja soviel MUSS. Dazwischen der eigene Alltag, der mich in die Knie zwingt.
Wie geht es weiter? Ich habe diese Art von Navigieren nie wirklich gelernt. Soll ich naiv bleiben und mich mit Gottvertrauen in eine fabelhafte Zukunft träumen? Mich in Zufälle einbinden lassen und mich intuitiv einem Lebenszauberkasten anvertrauen?

Plötzlich liegt ein geschenktes Buch in meinen Händen, das seitenweise Antworten bereit hält. Else Lasker-Schüler. Sie hatte ein instabiles Leben. Entwarf fiktive Landschaften mit Personen darin, denen sie seit Jahren Phantasienamen gab. Zum Beispiel den Prinz von Theben. Verrückt? Nein, wieso? Phantastisch! Das sich Zusammenphantasieren eines ganz Herz-eigenen Lebenslaufes kann sinnstiftender sein als eine Lebensversicherung. Geld ist nicht die Lösung. Aber notwendig als Sicherheits-Gerüst.

Else Lasker-Schüler schreibt: „Ich kam in Elberfeld im Rheinland zur Welt. Ich ging bis elf Jahre zur Schule, wurde Robinson, lebte fünf Jahre im Morgenlande, und seither vegetiere ich.“ Wenn ich meine Synapsen springen lasse, dann könnte ich meinen Lebenslauf auch ver-rücken. Vielleicht so: Ich kam in Hemmendorf am Katzenbach zur Welt. Ich ging zur Schule und dann mündete mein Leben theatralisch auf die Bretterbühne. Ich war ein Flugblattmädchen, eine Geliebte, eine Hexe, eine Bäuerin, ein Freudenmädchen, eine Komödiantin und vieles mehr.

In der Zeitung war ich schon eine Ulknudel und eine charmante Unterhalterin. Ich lebte viele Jahre in meinem eigenen Himmelreich. Hörte die Bäume rauschen. Und malte luftige Hieroglyphen an die blaugestirnte Himmelswand. Die Weite war und ist immer noch mein Seelenhain. Da, wo der Äther ins Blaue mündet. Laufend zähle ich zu den gaukelnden Wesen des Planeten. Und der Plan B muss auf Grund von phantastischen Gedankensprüngen noch eine Weile warten.

Der finanzielle Sorgenfinger zwickt zwar öfters feste, aber auf dem Weg des Schreibens wird der Sehnsuchts-Muskel nach einer besseren Welt trainiert. Else Lasker-Schüler schreibt: „Ich kann den Abend nicht mehr / Über die Hecken tragen.“ Ich bewundere und verehre sie. „Ein Bündel Wegerich“ heißt eine wunderfeine Biografie, die sich mit Freude lesen lässt. Man trifft dort auf eine hölzerne Schatulle mit Knöpfen, aus denen im Spiel gegen Langeweile verschiedene Leute werden. Phantastisch.

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