Wortgirlanden

6.Juli - „So komm! dass wir das Offene schauen

„So komm! dass wir das Offene schauen,
dass ein Eigenes wir suchen, so weit es auch ist.“ Hölderlin aus Brot und Wein.

Einst, als das Wünschen noch geholfen hat und die Kindheit ihr eigenes Paradies hatte, gab es Hochgefühle bei Spritz-Touren und Ausflügen ins Anderswo. Der Onkel mit seinem schönen Mercedes hat uns gefahren. Zum Feldberg, an den Titisee oder zum Tretbootle-Fahren ans schwäbische Meer. Erst viel später nistete ein Satz im Spatzengehirn: „Wenn ich den See seh‘ brauch ich kein Meer mehr“. Ferien sind nimmer so wie einst.

Gedanken von d’r Alb ra oder Wortgirlanden
im Home-Office zusammengesponnen
von Dietlinde Ellsässer

Ferien sind geradezu Pflichtveranstaltungen. Familienpflicht, Paarpflicht, Reisepflicht. Weiter, länger, schöner, teurer, exotischer. Ist das Fernweh noch präsent? Die Sehnsucht nach dem Anderswo? Das Packen der Siebensachen, um endlich die große Aus-Zeit zu erleben? Die Wiedergutmachung des eigenen Lebens durch Reisen. Wohnmobile werden gekauft und diese Elektro-Räder. Vorwärts hinaus aus dem Eigenen hinein in die Weite. Hui, da saust sich‘s wacker weg von allem. Da scheint mir vornedran eine Hemmschwelle zu sein. Wir stolpern mit allem Missmut, der zu Hause schon den Nacken bewohnt, hinein ins „Da soll jetzt alles besser werden“. Oje – und jetzt?

Corona lacht sich ins Fäustchen. Reisen geht nimmer leicht. Es kostet Mühe, was zu finden. Dort, wo die Zitronen blühen, der Eisbach rauscht oder der Himmel blauer ist als irgendwo anders, dort soll Wohlsein sein. Doch überall, wo wir hinfahren, sind schon ganz viele andere. Ferien- Müde bleiben darum daheim. „Der Augenblick ist mein“, egal wo ich bin. Ich nehme mich ja überallhin mit. Im Ländle gibt es haufenweise Premiumwege, da kann sich niemand verlaufen. Ich laufe, wandere gerne querfeldein. Lass mich treiben. Will keine Getriebene mehr sein. Blase meine Corona-Fragen in den Wind. Kreiere leichtfüßig Traumpfade. Lass alles bleiben, was vergehen soll. Nähre mich mit Lesestoff. Nehme mir die Freiheit, bei mir selber einzukehren. Und male ein HAIKU auf ein weißes Blatt.

Im Abendsäuseln
ein Wald mit tausend Nadeln
und Wind von Ost.

Probieren Sie selbst, wenn Sie mögen, geht ganz leicht und macht sich gut auf einer Postkarte. Die Postkarte braucht keinen Urlaub. Viel Glück.

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